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Autor Thema: Valen Telfuin - In Scherben zerschlagen  (Gelesen 1376 mal)
Elessa Elessar
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Beiträge: 13.880


Woher komme ich - wohin gehe ich?


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« am: 22. März 2010, 17:46:38 »

I.

Ich hasse es.
Diese Augenblicke in denen man anfängt nachzudenken. Momente in denen sich die Gedanken einfach selbstständig machen, in denen man das Gefühl hat, dass sich das eigene Bewusstsein plötzlich in Zwei spaltet.
Der eine Teil konzentriert sich auf das was geschieht, der andere Teil fängt ganz von selbst an eigene Wege zu gehen und sich an Dinge zu erinnern, die man vergessen will. Ich hasse solche Momente, hasste sie schon immer und dennoch passieren sie mir. Es ist zum kotzen!
Schritte nähern sich mir, langsam, vorsichtig. Ich erkenne die Schritte, ich erkenne sie immer. Würde ich das nicht, wäre ich schon tot. Langsam bewege ich mich aus den Schatten und die Gestalt vor mir bleibt stehen, mustert mich einen Moment und kommt dann näher. Wir sprechen miteinander, während sich die andere Hälfte meines Bewusstseins schon darauf einstellt was passieren wird.
Er hat mich betrogen, mir falsche Informationen gegeben und dafür wird er nun seine Bezahlung bekommen. Die Zeiten sind vorbei, in denen man so etwas mit mir machen konnte. Endgültig vorbei.
Ich nick und meine Gesichtsmuskeln formen mein übliches Grinsen. Es soll alles wirken wie immer, als wäre nichts. Ich nicke, beantworte seine Frage, er die meine. Wieder eine falsche Information. Meine Hand bewegt sich unmerklich. Wie oft habe ich das nun schon gemacht? Ich weiß es nicht, habe es nie gezählt und will es auch gar nicht, es ist mir einerlei. Allerhöchstens finde ich es amüsant.
Der Dolch rutscht aus seiner Schiene unter meinem Ärmel. Der Idiot vor mir merkt nichts, redet als weiter, ich nicke und ziehe zum Schein einen Heller aus meinem Beutel und werfe ihm die Münze zu. Er fängt sie ... und merkt immer noch nichts.
Mein zweites Bewusstsein driftet ab, fängt an sich mit ganz anderen Dingen zu beschäftigen, erinnert sich an eine ähnliche Situation in Sshamath. Doch da stand ich dort, wo nun er steht und er merkt es weiterhin nicht. Wie langweilig. Ich gehe einen Schritt näher, noch einen. Er grinst mich nur blöd an und dann ... wird er dieses Grinsen für immer auf seinem Gesicht behalten.
Es geht schnell. Das kühle Metall an meinem Arm, eine Bewegung, Blut spritzt und verfärbt die Klinge rot. Er gurgelt und fällt zu Boden. Er hat nicht aufgepasst. Seinen Namen? Kenne ich nicht, ist mir auch egal. Unwichtig.
Ich wische die Klinge an seinem verdreckten Umhang ab und stecke sie wieder zurück. Es wird noch mehr dieser Momente geben, Momente an denen ich dahin zurück denke, wo ich herkomme. Auch wenn ich es nicht will, es passiert.
Sshamath, eine dunkle Gasse und alles kam wie es kommen musste ...
« Letzte Änderung: 22. März 2010, 21:02:55 von Elessa Elessar » Gespeichert

Teraluna Eria- "Das Leben ist wie ein Seil, nur wenn du es mit Freude annimmst, lernst du darauf zu tanzen."
Valen Telfuin- "Solange du den Zeitpunkt deines Todes nicht kennst, lebst du in der Ewigkeit...und die mach ich mir so angenehm wie möglich!"
John Nachtigall- "Spiel dein Spiel und mach die Regeln."
Rubera Dunkelklamm- "Andere zu besiegen heißt Macht auszuüben, sich selbst zu besiegen heißt den Weg zu kennen."

Nebenchars: Indra vom Rabenmoor, Ferrante, Elessa Elessar, Chinaska Mellefer
Elessa Elessar
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« Antworten #1 am: 12. September 2010, 15:51:27 »

II.

Heute, wo ich es kenne würde ich sagen die Gasse war feucht. Damals, als ich es noch nicht kannte war es einfach nur eine dreckige Hinterhofsgasse, vollgestellt mit verrottenden Karren und Kisten. Säcke von denen ein übler Geruch aufstieg standen daneben und ich? Ich saß mittendrin.
Was ich dort tat? Nachdenken? Mich bemitleiden? Wohl irgendwas dazwischen. Mein Rücken schmerzte und meine Hand fuhr zu meinem Schulterblatt. Blut glänzte an den Fingern, mein Blut. Ich leckte es ab und meine Gedanken verloren sich.
Scheiß Familie. Scheiß Haus. Der Name Telfuin konnte mir gestohlen bleiben. Sie alle konnten mir gestohlen bleiben. Jeder! Drisinil, Alyafae, Larbreena, Inlara und Halbryn. Schlimm genug das ich so viele Weiber als Halbgeschwister hatte. Nein, es musste auch noch ein verdammten Halbbruder sein. Und der konnte mir noch vor dieser Schlampe von Mutter, Faeryl, am meisten gestohlen bleiben. Sollten sie doch alle verrecken! Es gab nichts was mir egaler hätte sein können.
Ich versuchte aufzustehen. Es ging. Langsam schob ich mich an der Mauer hoch und schwankte aus der Gasse, lief durch eine weitere. Die Slums waren ein Labyrinth. Warum fand ich dann doch dort hin? So zielsicher, als hätte ich mein ganzes verdammtes Leben hier verbracht?
Irgendwo dort oben war er. Irgendwo dort oben saß er über eines dieser scheiß Magiebücher gebeugt und sich seinen Formeln und Komponenten hingebend. Das Genie, das Wunderkind, der Goldjunge des Hauses.
Ich spuckte aus.
Hoffentlich erstickst du Q’arlurn. Hoffentlich bleibst du in einer dieser verdammten Verwandlungen hängen und ein anderer zertritt dich unter seinem Stiefel. Vielleicht merkst du dann mal was. Scheißkerl!
Ich drehte der Akademie der Verwandlung den Rücken zu. Das war einmal der Ort gewesen an den ich hätte gehören sollen. Mein Haus war es auch einmal gewesen.
Als unmagisches Kind, einer Magierfamilie, in einer Magierstadt hatte man wirklich keine großen Chancen. Verdammt. Dabei hatte ich doch genau wie er werden wollen. Ich hatte besser werden wollen. Und jetzt? Vorbei. Alles vorbei.
Nicht einmal mehr in ihrem Haus hatten sie mich haben wollen. War die Enttäuschung so groß gewesen? Oder die Erwartungen zu hoch? Ich weiß es nicht. Konnte mir jetzt ja auch egal sein. Es lag hinter mir und wahrscheinlich sollte ich ihnen noch dankbar sein das sie nur meinen Rücken zerrissen hatten und nicht gleich meinen gesamten Körper. Spaß hatte es ihnen allen ohne Frage gebracht. Hatte ich etwas anderes erwartet? Ich glaube schon. War das dumm? Ja, war es.
Ich bog in eine andere Gasse ab. Ließ die hohen Mauern hinter mir. Ließ den Blick auf die oberen Viertel hinter mir. Mein zu Hause lag nun vor mir. Hier irgendwo. Sollte ich mir dafür Mühe geben? Ich weiß es nicht. Zur Zeit wusste ich eigentlich gar nichts mehr.
Wenn ich jemals ein wirkliches Ziel gehabt hatte war es jetzt weg, zusammen mit allem woran ich jemals geglaubt hatte. Lolth, Selvetarm, Vhaeraun ... wer brauchte die schon? Hatte es etwas gebracht zu glauben? Nein. Warum also Zeit verschwenden?
Schritte hinter mir verrieten das ich verfolgt wurde. Vielleicht würde ich jetzt ja sterben. War vermutlich das Beste. Ich drehte mich um ...
« Letzte Änderung: 28. September 2010, 14:43:57 von Elessa Elessar » Gespeichert

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« Antworten #2 am: 05. Januar 2011, 22:45:22 »

III.

Langsam lasse ich meine Augen über das Dunkel der Gasse schweifen. Der Geruch von Blut hängt in der Luft. Meines? Das meiner Gegner? Spielt das eine Rolle? Es ist vorbei und es war schmerzhaft. Aber ich habe gewonnen. Hat uns jemand gehört? Kommt noch jemand um ihnen zu helfen? Meine Ohren zucken. Nein, keine Schritte. Keine Geräusche, außer jene, welche ich schon die ganze Zeit höre.
Ich beuge mich zu den Leichen herunter. Durchsuche sie. Waffen, Kleider, Münzen. Alles was ich gebrauchen kann. Was mir das Überleben für einen Moment länger sichern kann nehme ich an mich. Gefühle? Reue? So etwas wie Mitleid? Was bedeuten diese Worte überhaupt? Ich habe keine Ahnung und es ist mir auch egal. Ich nehme was ich bekommen kann und verschwinde. Ein Schatten unter Vielen. Einer der versucht einen Weg zu gehen. Ihn erst einmal zu finden.
Ich verschwinde. Tauche unter in den Gassen Sshamaths. Überlebe. Irgendwie. Soll ich es beschreiben? Den Gestank? Den Dreck? Die verrotteten Häuser? Zerlumpte Gestalten? Wenig mehr als Vieh? Das was ich tue um am Leben zu bleiben?
Ich bin hübsch. Habe ein weiches Gesicht. Augen die es zwar oft gibt. Die sich aber doch abheben von der Masse. Meine Gedanken schweifen ab. Verschwimmen. Verschleiern. Ihre Gesichter merke ich mir nicht. Ihre Rassen ebenfalls nicht. Einige kommen wieder, zumindest denke ich das. Ihre Berührungen und ihr Verhalten kommen mir bekannt vor. Manchmal ist es widerlich. Kümmert mich das? Nein. Der Starke regiert. Der Schwache fällt. Aber was bin dann ich? Ich lebe. Reicht das nicht?
Sind es Tage? Wochen? Jahre? Jahrzehnte? Zeit vergeht. Ich achte nicht darauf. Von einem Tag in den anderen denken. Keine Pläne, keine Zukunft. Nennt man das Leben? Wohl ehr nicht. Ich verkaufe was ich habe. Ich töte um zu vegetieren.
Ein Drow kommt auf mich zu. Mein nächstes Opfer.  Ich drücke mich an die Wand. Ziehe einen Dolch und verschmilze mit den Schatten. Zumindest denke ich das.
Er kommt näher. Ahnt noch nichts von seinem baldigen Tod. Einen Schritt, noch einen. Dann ist er an mir vorbei. Ich trete hinter ihn, will ihm die Kehle aufschlitzen. Er dreht sich um, seine Hand kracht an mein Handgelenk und vor Schmerz lasse ich meine Waffe fallen. Ein weiterer Schlag. Blut spritzt aus meiner Nase. Ich versuche mich zu wehren. Keine Chance. Wer auch immer der Drow ist, er ist schneller als ich. Besser als ich. Stärker als ich.
Er fegt mir die Beine weg. Ich lande mit dem Gesicht im Dreck. Ein Fuß kracht in meine Rippen, schickt mich auf den Bauch. Ich versuche auf die Beine zu kommen und werde wieder gen Boden gedrückt. Ich würge und spucke Blut aus. Er lässt sich auf mich fallen. Sein Knie in meinem Rücken. Seine Hand schließt sich fest um mein Handgelenk. Er verdreht mir den Arm so stark das ich aufschreie. Ich spüre den Knochen. Er dreht sich fast aus der Verankerung.
Scheißkerl! Aber dafür ist es bald vorbei. Nicht mehr lange und alles ist vorbei. Er beugt sich zu mir herunter. Ich schlage meinen Kopf nach hinten. Ein Grunzen sagt mir, dass ich getroffen habe. Mein Mundwinkel hebt sich. Wenigstens etwas.
Seine Hand gräbt sich in mein dreckiges Haar. Er knallt meinen Kopf auf den Boden. Mir schwinden die Sinne. Ich merke wie er sich abermals zu mir herunter beugt. Spüre seinen warmen Atem in meinem Nacken. An meinem Ohr.
„Wie heißt du?“
Was geht das ihn an? Will er mir ein Grabmal setzen? Arschloch! Bring es doch endlich hinter dich!
„Wie heißt du?“ Die Stimme ist nicht mehr ganz so freundlich. Zum Nachdruck ihrer Worte, verstärkt er den Griff an meinem Arm. Der Knochen kugelt sich aus. Ich schreie. Dann wimmere ich. Erbärmlich.
„Valen.“
„Haus?“
„Telfuin.“
Sein Atem entfernt sich wieder von meinem Ohr. Dann sein Gewicht. Ich schöpfe Hoffnung. Würde ich ...? Sie erstirbt. Ein harter Schlag in meinen Nacken. Schwärze die mich umfängt. Dann nichts mehr. Ich bin tot. Oder ...
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« Antworten #3 am: 08. Juni 2011, 18:50:12 »

IV.

Das Erste was ich merke ist, das ich atme. Dann kommt der Schmerz. Meine Augenlieder flackern und ich öffne sie. Sehe an eine Decke aus Stein, Risse darin. Sie sieht aus als würde sie gleich auf mich herab krachen. Ich versuche meine Finger zu bewegen. Sie gehorchen mir. Ich lebe. Warum? Keine Ahnung.
„Wenn du wach bist steh auf!“ Eine harsche und kalte, befehlsgewohnte Stimme. Ich erkenne sie. Es ist das Arschloch das mich besiegt hat. Ein Knurren entweicht meiner trockenen Kehle. Kurz darauf schickt mich ein Tritt von der zerrissenen Decke auf den kalten Stein. „Steh auf hab ich gesagt!“
Ich halte mir die Seite, versuche Luft zu bekommen. Meine Schulter schmerzt, mein Kopf dröhnt. Ein klarer Gedanke, nur Einer. Aber es geht nicht. Was ist passiert? Wo bin ich? Und ...
„Wer bist du?“ Ich hebe den Kopf zu dem Drow der über mir steht. Funkle ihn an. Warum lebe ich noch? Warum hat er mich nicht getötet? Was will er von mir?
Eisblaue Augen starren mich kalt an. Dann packt er mich einfach und zerrt mich auf die Beine. Ich bin zu benommen und schwach um mich wirklich zu wehren. Dafür hasse ich mich. Er stößt mich vorwärts und drückt mich wieder nieder ... ein Feuer, Wärme. Was soll das?
Er setzt sich auch hin. Mir gegenüber. Die Flammen malen ein zuckendes Bild auf seine Gestalt. Ich lasse ihn nicht aus den Augen. Kenne ich ihn? Ich weiß es nicht. Aber er kommt mir bekannt vor.
Dann fängt er an. Spricht. Redet. Erklärt. Ich höre zu. Was für eine Wahl habe ich? Keine. Also höre ich zu. Ein Vorschlag. Nein, ein Weg. Nur Einer. Er bietet ihn an. Ich sage ja. Oder ich sterbe. Eine Wahl? Mit Nichten.
Er denkt ich habe Potential. Für was? Lautlos sein. Einbrechen. Schleichen. Schnelles töten. Agiles kämpfen. Wäre es nicht mein Leben, ich würde lachen. Er hat mich besiegt. Jetzt will er mich ausbilden. Ich sage ja. Weiß ich doch das er es für sich tut. Ein Gehilfe. Ein Diener. Ein Sklave. Werde ich erwischt ... sterbe ich, nicht er. Schaffe ich es, bekommt er alles ... ich mache die Arbeit.
Mein Vorteil? Gering, aber vorhanden. Soll er mich ausbilden. Soll er mir zeigen was er kann. Ich werde es lernen und warten. Warten auf eine Chance.
Es beginnt. Ohne Rücksicht. Ohne Warnung. Dolche. Kukris. Wurfmesser. Rapier. Kurzschwerter. Kampfstab. Einfache Dinge. Effektive Dinge. Tödliche Dinge. Ich wusste nicht wie tödlich. Nun weiß ich es. Und es fühlt sich gut an es zu wissen. So viele Möglichkeiten zu töten. Mit einem einfachen Ding. Mit einem kleinen Ding. Schnell. Lautlos. Keine Spuren.
Ich spüre es selbst. Ich werde schneller. Besser. Meine Reflexe steigen. Er trifft mich nicht mehr so oft. Immer mehr Bewegungen prägen sich mir ein. Es ist fast wie ein Tanz. Ein schneller, tödlicher Tanz. Ist er besser als ich, trifft er mich, tut es weh. Nichts bringt einen schneller dazu zu lernen als Schmerz. Und das kann er gut. Schmerzen zufügen.
Schatten. Mauern. Schlösser. Ich sehe Halt zum Klettern wo ich vorher keinen sah. Ich sehe Chancen zum Einbrechen wo vorher Nichts war. Wer immer er auch wirklich ist ... er weiß was er tut.
Mein erster Auftrag. Erfolgreich. Seit Wochen werden wir satt. Mein zweiter Auftrag. Erfolgreich. Bessere Ausrüstung. Andere auf der Strasse werden auf uns Aufmerksam. Wollen ein Stück ab haben. Sie sterben. Keine Mitwisser, keine Verbündeten. Wer braucht das schon? Wir nicht.
Ich beobachte ihn. Dann wenn er sich nicht auf mich konzentriert. Lerne, selbst wenn er mir Nichts beibringt. Respekt? Bewunderung? Weder noch. Ich will ihn töten. Töten für jeden Schlag den er mir gegeben hat. Töten für jede Erniedrigung. Und ich weiß, ich kann es schaffen. Meine Zeit kommt. Bald ...
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« Antworten #4 am: 23. Oktober 2011, 13:23:28 »

V.

„Ich will dich wieder haben.“ Sie liegt im Bett und räkelt sich. Ich schnüre mir das Hemd zu. Wer sie ist? Spielt das eine Rolle? Ihr Finger streichen über meinen Arm. Zeichnen sich hell von meiner schwarzen Haut ab.
„Das kostet.“ Emotionen? Nein. Warum auch? Sie lächelt und lässt die Münzen auf das Laken fallen.
„Komm wieder.“ Ich ergreife die Münzen. Sicher tue ich das. Mein Augen wandern. Fenster. Türen. Schlösser. Wachen. Alles hat sich eingeprägt. Ich schlüpfe in meine Hose. Sie sieht mir zu. Meine Stiefel. Mein Gürtel. Immer noch spüre ich ihre Augen.
„Werd ich.“ Und das ist noch nicht einmal eine Lüge. Ich komme wieder. Eine Nacht später. Ich kenne das Haus. Kenne die Schwachstellen. Dafür war mein Besuch gut. Für mehr nicht. Vergnügen? Nein, nicht wirklich. Ehr Langeweile. Ein notwendiges Übel.
Ihr weißen Laken färben sich rot. Ein angenehmes Kribbeln bildet sich auf meiner Haut. Genugtuung? Ja, Genugtuung. Ich hasse es. Hasse es so behandelt zu werden. Wie ein Gegenstand. Wie etwas was man sich nimmt. Ein Spielzeug. Kommt das Knurren aus meinem Hals?
Ich steige von ihr herunter. Nehme die Hand von ihre Mund. Sie starrt an die Decke. Als wäre der Tod eine Überraschung gewesen. Er ist es nie. Ich verteile die wertvollsten Dinge in kleine Taschen an meinem Gürtel. Der Rest kommt in einen Sack. Ich öffne das Fenster. Unter mir ein Schatten. Der Sack fällt. Keine Geräusche. Dann bin ich aus dem Fenster. Schatten im Schatten. Keiner sieht mich. Keiner hört mich.
Die Gasse ist lang und eng. Kaum einer hält sich hier auf. Vor mir der vertraute Schatten. Mein ... Lehrer. Ob ich es wagen soll? Es ist so lange her. So lange schon keinen Kampf mehr mit ihm gehabt. Der Letzte war ein Unentschieden. Bin ich besser als er? Vielleicht. Einen Versuch. Danach bin ich tot. Ich oder er. Meine Schulter spannt sich an. Ich spüre wieder das Ziehen seiner Schläge. Schon viel zu lange. Mir wird klar ... es ist mir egal. Er oder ich. Heute. Jetzt.
Meine Hand zieht den Dolch aus der Scheide. Lautlos. Einen Schritt noch Einen. Vertraue Niemandem. Meine erste Lektion. Die Schneide gleitet durch seinen Umhang wie durch Blut. Ich treffe ihn nicht. Er rollt sich weg. Kommt auf die Beine. Hat sein Kurzschwert in der Hand. Funkelt mich an. Eisblaue Augen treffen auf ihr Spiegelbild.
Mein Herz schlägt nicht. Meine hand zittert nicht. Eisiges Kalkül. Zwei Raubtiere. Er schnellt nach vorne. Ich rolle mich weg. Spüre sein Schwert. Mein Rücken brennt. Ich trete nach seinen Beinen. Er springt hoch. Kommt auf. Da trifft ihn mein Handkantenschlag. Schmerz durchzuckt meinen Arm. Ich rieche Blut. Mein Blut. Sein Kopf ruckt nach hinten. Mein Dolch schnellt vor. Wieder Blut. Sein Blut.
Er wird zu einem Schatten. Schnell. Tödlich. Lauernd. Ich ebenso. Bin ich erstaunt? Vermutlich. Erstaunt über mich selbst. Er hat mir zuviel beigebracht. Oder habe ich zuviel gelernt? Und trotzdem trifft er mich beunruhigend oft. Mein Atem in meinen Ohren. Mein Herz in meiner Brust. Ich höre nur noch Blut rauschen. Mein Blut. Ich will gewinnen. Will überleben.
Ich sprinte nach vorne. Schlage einen Haken. Täusche an. Tauche unter seinem Schlag weg. Weiche aus. Pariere. Und schlag noch mal zu. Überraschung? Ja, ich bin überrascht. Mein Dolch gleitet durch seine Halsschlagader wie durch Luft. Blut spritzt. Fühlt sich warm auf meinem Gesicht an. Unglauben in seinen Augen. Ein Moment. Noch einer. Dann kippt er um. War es das?
Ich stehe da. Sehe zu ihm herab. Schmerz sickert in mein Bewusstsein. Meine Wunden melden sich. Nebensache. Ich sehe zu ihm herunter. Er gurgelt. Streckt er seine Hand nach mir aus? Ja. Warum gehe ich in die Knie?
„Valen.“ Mein Name. Warum mein Name. Sein Lebensfunke erlischt. Wird schwächer. Ich kann es sehen. „Sohn.“ Bin ich überrascht? Nein. Nicht wirklich. Oder doch? Meine Augenbraue zuckt. Die einzige Reaktion. Dann werden seine Augen trüb. Der Körper erschlafft. Habe ich gewonnen? Immer noch bin ich mir nicht sicher. Mechanisch wandern meine Hände zu ihm. Sondieren was ich gebrauchen kann und was nicht.
Sohn. Das Wort hallt in mir wieder. Nebensächlich. Ich habe alles was ich brauche. Stehe auf. Sehe mich um. Lausche. Keiner in der Nähe. Ich bin allein. Und Herr über mein Schicksal. Von jetzt an gehe ich meinen Weg. Für immer. Wirklich? ...
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