Das Weltentor
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Autor Thema: [Yasmina] Wie ein Vogel im Wind ...  (Gelesen 1656 mal)
Nataari
Spieler

Beiträge: 5.714


Verlass auf Sinne: Blödsinn, Wahnsinn, Irrsinn


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« am: 12. April 2010, 14:56:54 »

„Ich bin doch verrückt, dass ich mich darauf einlasse oder eher wir.“ Sie fluchte leise vor sich hin, während sie zum bestimmt zwanzigsten Male den Sitz des Sattels auf dem Greifen überprüfte und diesem nervös und dennoch zu beruhigen versuchend, den Hals tätschelte. „Ihr habt ganz Recht, das ist Wahnsinn und wir bringen euch nur in Gefahr.“ Sie lehnte sich bei dem Greifen an und irgendwie fühlte sie sich getröstet. Seltsam irgendwie, immerhin galten sie nicht einmal als Tiere, aber sie hatte so viel Zeit mit ihnen verbracht, dass sie das Gefühl hatte zu ihrer Familie zu gehören und … Familienmitglieder brachte man nicht wissend in Gefahr. Alles in ihr sträubte sich dagegen, auf dem Greifen auf zu sitzen und ihn in Gefahr zu bringen, direkt rein in die feindlichen Linien, zum spähen oder was immer sich die Feldherren für die Greifen ausdenken würden. Sicher, dafür waren sie geholt worden, doch alles in ihr hatte sich immer vor diesem Moment gefürchtet und war zurück geschreckt, Krieg lag nicht in ihrer Natur, sie war Lliiranerin keine Tempusitin. Inzwischen hatten die Wesen Vertrauen zu ihren Reitern gefasst und dennoch, obwohl sie sich auf ihre Reiter ebenso verließen und ihnen trauten, dass sie sie nicht in Gefahr brachten, genau dafür waren sie geholt worden und sie würde sie nicht einfach alleine ihrem Schicksal überlassen. Ihr wurde das Herz so schwer, als sie daran dachte.

Als dann die Warnung kam, dass die Horden aufrückten, hatte sie sich ebenfalls vorbereitet, sehr eng anliegende Lederkleidung angezogen, die von innen noch gefüttert war, um vor der Kälte in der Luft zu schützen, aber kaum Luftwiderstand bot. Auch ihre langen Haare hatte sie zu einem festen Zopf geflochten, der auf ihrem Rücken ruhte und damit verhindert, dass die Haare ihr die Sicht versperrten oder störend um sie herum flatterten. Dann war sie zu den Greifen zurück gekehrt, hatte jeden einzelnen, der heute in die Luft steigen sollte, überprüft, ihnen aufmunternde Worte geschenkt und war dann auf ihrem Greifen aufgesessen und ein kurzes letztes Gebet folgte an ihre Göttin als sie abhoben. Kräftig und deutlich spürte sie den Herzschlag des Greifen unter ihren Händen, wäre die Lage nicht so ernst gewesen, hätte sie den Flug und die Freiheit in der Luft zu sein, sogar genossen, doch … hier ging es leider um anderes. Sie waren in die Nähe der eigenen Truppen geflogen um sich dort am Rande aufzuhalten bis sie gebraucht wurden. Sie lauschte worüber sich die anderen unterhielten und es lag eine bedrückende Spannung in der Luft bis der erste Angriff erfolgte…

Als es darum ging, Botschaften hin und her zu bringen, hatte sie dabei auch noch bereitwillig geholfen und immer wieder Ausschau nach den feindlichen Horden gehalten. Ihr war das Herz tiefer gerutscht, als ihr bewusst wurde, was da alles auf sie zu kam und die Unsichtbarkeit einiger der Untiere aufgehoben wurde oder sie mit Sinnen etwas wahr nahm, die nicht ihre eigenen waren, sondern die des Greifen. Sie hatten die Schlacht von oben beobachtet und gesehen, wie der Fluss vor Weilersbach in Flammen aufging und die Untiere brennend aus diesen hervor kamen, über das befriedete – sie hätte um das einst so schöne Örtchen weinen können, so wie es jetzt aus sah - Weilersbach vor rückten und sich auf die Verteidiger der Stadt gestürzt hatten, die verbissene Gegenwehr leisteten. Sie war irgendwie froh gewesen, nicht selber mit einer Waffe zwischen den anderen stehen zu müssen, nur ob ihre Position besser war? Sie zweifelte daran und hielt immer wieder Ausschau nach den Rocs in der Luft. Irgendwie hatten sich diese bisher verdächtig zurück gehalten und das machte ihr zusätzlich Sorgen. Immer darauf bedacht, nicht von den Geschossen der Katapulte oder Bogenschützen erwischt zu werden, hatte sie den möglichsten Abstand gehalten und dann …. gab es einen bis ins Mark erschütternden Knall, als auf einmal ein riesiges Geschoss in die eigenen Reihen krachte und dort ebenfalls Schaden anrichtete. Jetzt machte sie sich nicht nur Sorgen um den Greifen, wie eine eisige Hand drückte etwas ihr Herz zusammen, als sie an ihre Freunde dachte, die dort unten bei den Verteidigern mit kämpften. Erschrocken hielt sie Ausschau nach dem, das die Geschosse schleuderte und machte ein Blitzen in den feindlichen Reihen aus. Vorsichtig und weiter darauf bedacht, sich außerhalb der Reichweite der Bogenschützen zu halten, näherte sie sich mit dem Greifen den Feinden an soweit es ging. „Woher kam das ….“ nervös wanderte ihr Blick über die Feinde und dann … sie sah es metallen aufblitzen und besah es sich genauer, nicht nur mit den eigenen Sinnen, sondern auch dem, was der Greif ihr zusätzlich vermittelte … Gebilde aus Metall, das irgendwie lebendig wirkte und irgendwie Ähnlichkeiten mit einem Vogel hatten. „Siehst du das? Sie haben also neue Scheußlichkeiten gefunden, die sie gegen uns einsetzen können. Wir müssen die anderen warnen.“ Also lenkte sie ihren Flug zurück zu den eigenen Reihen und suchte in der Menge nach einer bekannten Gestalt. Als sie Leon aus machen konnte, war sie erst einmal erleichtert ihn wohlauf zu sehen und das ihm bisher nichts geschehen war. Sie landete in der Nähe und rannte zu ihm, so schnell sie ihre Füße trugen, hielt sich aber möglichst von den vielen Leichen der Untiere fern. „Leon … sie haben eine neue Scheußlichkeit, ein Wesen oder eher zwei, das scheinbar aus lebendigem Metall zu bestehen scheint, vogelähnlicher Gestalt und es schleudert diese riesigen Geschosse.“ Sie schilderte kurz, was sie gesehen hatte, drückte einmal sacht seine Hand und machte sich dann sofort wieder davon zu ihrem Flugtier, das von dem Blutgeruch unruhig wurde. Chimäre hatten sie es genannt, was sie da jetzt angriff, sie hatte keine Ahnung, was genau das sein sollte, aber was sie gesehen hatte, war nicht normal oder natürlich, das konnte kein Tier sein.

Weiter ging die Schlacht am Boden und erneut krachte es mehrfach, als weitere Geschosse der Gegner in den eigenen Reihen große Löcher verursachten. Der Fluss brannte noch immer, doch die Angreifer ließen sich davon kaum noch zurück halten und dann traf eines der Geschosse die Stadtmauer, was weitere Panik aus löste. Irgendwie hatte sie Jamie in der Menge entdeckt, seine Rotschopf war ihr auf gefallen und er ging zu Boden, eher im Reflex ging sie tiefer, wollte sich vergewissern, dass es ihm gut ging und landete. Als sie bei ihm ankam, hörte sie schon andere danach verlangend rufen, man solle endlich die Greifen einsetzen und Brandbomben auf die Untiere nieder gehen lassen. Nathee hatte sich ebenfalls zu ihnen gesellt, als sie mit ihrer Greifin gelandet war, kurz sah sie zu Jamie, dann zu Nathee und seufzte, als die Entscheidung getroffen wurde, die Greifen mit den Fässern zu beladen. Sie hatten die Greifen zwar an Gewichte gewöhnt, doch die Fässer ließen sie auch unruhiger werden und ihre Bewegungen in der Luft waren nicht mehr so geschmeidig, als sie sich erneut in die Lüfte erhoben, so weit hoch, dass sie möglichst von unten und den feindlichen Truppen nicht mehr gesehen werden konnten, so jedenfalls die Hoffnung. Vermutlich kam ihr Angriff auf die Chimären, für die Untiere sogar überraschend und einige der Brandbomben fanden auch ihr Ziel, allerdings gingen die Chimären nicht in Flammen auf, dafür einige der Untiere und es machte klar, dass dort noch mehr von ihnen sich verbargen, unter Unsichtbarkeit, die man mit bloßem Auge nicht durchdringen konnte. Umgehend hatten sie sofort die Flucht ergriffen, als die Geschosse abgeworfen worden waren, doch ….

Dann kam alles recht plötzlich, die Greifen wurden unruhig und .. dann waren SIE da. Sie wusste nicht, woher sie so plötzlich gekommen waren, vermutlich hatten sie sich in der künstlichen Dunkelheit versteckt, die die Umgebung in trübes, diesiges Licht tauchte, aber die Rocs machten Jagd auf die Greifen und ihre Reiter und die Greifen gerieten in Panik, waren kaum noch zu kontrollieren und es ging ihr durch Mark und Bein, als ihr Greif aufkreischte vor Schmerz, als einer der Rocs den Flügel erwischte. Sie hatte große Mühe gehabt, sich überhaupt an dem Greifen fest zu klammern und ihre eigene Panik zu unterdrücken. „Was machen wir hier überhaupt ….“ Der Wind riss ihr die gemurmelten Worte von den Lippen, als sie für einen Moment dem Boden immer näher kamen, dann fing sich ihr Greif wieder und es ging erneut aufwärts. Sie sah, wie die anderen versuchten, die Rocs aufeinander zu zu locken, dass sie in der Luft kollidieren sollten und in ihrem Inneren kämpfte es. Ein Teil wollte sofort fort, das Leben des Greifen und ihr eigenes Leben retten, der andere Teil sah die Stadt brennen, viele weitere Menschen, die ihr Leben ließen. Vielleicht waren es nur wenige Momente, aber ihr kam es wie lange Stunden vor, in denen sie unschlüssig war, dann lenkte sie den Greif wieder auf die anderen und die Rocs zu. „Ich weiß, du bist müde, ich bin es auch .. ich will das auch alles nicht, aber wir müssen ihnen helfen. Ihre Greifin vertraute ihr und ihrem Urteil, kämpfte gegen den eigenen Instinkt an und überließ sich der Führung ihres Reiters. Ein fataler Fehler ….

Sie drehte ab, wieder auf die anderen zu und der Roc folgte ihr nach, soweit so gut … sie konnte nur zu deutlich den aufgeregten, panikerfüllten Herzschlag der Greifin spüren, so wie auch ihren eigenen, in ihrer Brust. Sie hatte das Gefühl vor lauter Angst nicht atmen zu können. Ihre Greifin war nicht mehr wendig genug … die Verletzung am Flügel machte ihr zu schaffen, dennoch hielt sie sich tapfer oben und versuchte dem immer näher heran rückenden Roc zu entgegen. „Oh Lliira hilf …. was habe ich nur getan…“ Sie hatte einen schnellen Blick über die Schulter geworfen und der Roc war nur noch wenige Meter hinter ihr gewesen, der Vorsprung schwand und dann konnte sie den Ruck spüren, der sie nach vorne über den Kopf der Greifin schleuderte, als der Roc das Hinterteil der Greifin zu packen bekam und regelrecht aus der Luft pflückte. Im ersten Moment war sie so etwas wie überrascht gewesen, als sie die Greifen auf einmal über sich sah, dann der Schock .. als sie zusehen musste, was der Roc mit dem schönen Geschöpf anstellte. Ihre Greifin wurde von den scharfen Krallen des Riesenvogels in Stücke gerissen und sie konnte die Todesschreie in ihren Ohren wieder hallen hören … die des Greifen? Nein, nicht nur, auch ihren eigenen Schrei hörte sie und sie war im ersten Moment zu benommen gewesen, um zu merken, dass sie sich selber im Flug auf den Boden befand. „Oh nein, oh nein, oh bitte nein …“ Sie hatte sich selber noch schluchzen hören können, weil sie das verloren hatte, was ihr anvertraut war und der Verlust schmerzte in ihrem Herzen, als die Tropfen des Greifenblutes sie trafen, dann erst registrierte sie, in welcher Lage sie sich befand und das der Boden unaufhörlich näher kam. Wo die anderen waren, hatte sie gar nicht sehen können, dafür war sie zu angsterfüllt. „Verdammt … reiß sich zusammen.“ Sie atmete scharf ein. „Wie hat er das gemacht? In der Luft … vielleicht.“ Und so versuchte sie es wie Jamie seinerzeit, sich zu wandeln, mitten in der Luft, um dem Aufprall zu entgehen, während der Wind an ihrem Körper vorbei zischte. Nur war sie darin nicht so geübt, noch immer nicht. Wieder verging wertvolle Zeit, in denen sie sich sammelte, spürte, wie ihr Körper sich verformte .. .diesmal sogar mit Kleidung, wie sie in einem Winkel in ihrem Hinterkopf befriedigt fest stellte und dann flatterte sie schon mit den Flügeln. Aber … sie war zu schnell, der Boden kam dennoch unaufhörlich näher … und so rasten ihre Gedanken zu ihren Freunden, ihrer Familie, die vermutlich niemals wissen würde, wohin sie verschwunden war, Worte, die sie nie würde aussprechen können, Orte, die sie niemals sehen würde, lieb gewonnene Personen, die sie zurück ließ ….. „Es tut mir so leid … oh es tut mir so leid …“ dann …

nichts mehr, als die Welt um sie herum schwarz wurde.
« Letzte Änderung: 18. April 2011, 16:35:22 von Nataari » Gespeichert

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« Antworten #1 am: 18. April 2010, 11:06:41 »

Noch niemals zuvor hatte sie je so wundervolle Musik und Gesang gehört, die ihren Kopf vollständig füllte und sie komplett umhüllte wie eine warme Decke. Sie luden geradezu dazu ein sich zu ihr zu bewegen und die Füße nach dieser tanzen zu lassen und das tat sie auch. Sie fühlte sich frei, beschwingt und glücklich als sich ihr Körper zur Melodie bewegte und bog und es schien keinerlei Sorgen oder Kummer zu geben, alles war einfach pure Freude und Liebe und das was vor der Musik war so weit entrückt. Es war auch nicht mehr wichtig, nur das Jetzt und Hier war wichtig und sie genoss es, mit jeder Faser ihres Seins.

Doch dann mischte sich etwas in die Musik, etwas das sie zu locken schien, zu drängen, zu rufen, aber sie hatte sich nicht davon ablenken lassen wollen und versucht es beiseite zu schieben, damit sie die Musik weiter hören konnte. Aber es wurde hartnäckiger, intensiver und dann … „Noch nicht Ly’aera, noch nicht.“ Wie ein Wispern, sanft und warm wie der weiche Klang einer kleinen goldene Glocke hatte sie es leise in ihrem Kopf gehört und für einen Moment hatte sie sich doch gefragt, woher die Stimme ihren nie benutzten Namen kannte, doch auch das wurde beiseite geschoben, bevor sie dem Gedanken weiter folgen konnte. Dann fühlte sie sich erneut als würde sie fallen, nein … diesmal nicht fallen, sondern getragen. Eingehüllt in eine Umarmung, warm und geborgen, wie bei ihrer Mutter, die sie nachts getröstet hatte, wenn sie aus seinem Alptraum erwacht war.

Es war seltsam, alles wirkte entrückt, sie hatte den Hain gesehen, den großen Leben spendenden Baum, dessen Pulsschlag sie auch immer in ihrem Körper gespürt hatten, je näher sie ihm kam und sie mit Leben erfüllte und einer unsagbaren Ruhe, wann immer sie den Boden um diesen herum berührte, die Erinnerung daran war noch da. Eine Gruppe war anwesend, Personen, die ihr bekannt vor kamen, aber warum waren sie hier, warum wirkten sie so angespannt, ernst, feierlich, hoffnungsvoll und doch auch traurig? Sie schienen auf etwas zu warten, doch auf was? Dann sah sie einen Körper auf dem Boden liegen, getaucht in warmen Kerzenschein, der die nähere Umgebung nur leicht erhellte und umgeben von einem sanften goldenen Schimmer, der nicht von den Kerzen stammte. Auch das Gesicht der Frau war ihr irgendwie bekannt vor gekommen, aber sie konnte nicht erfassen woher. War es überhaupt wichtig? Wieder war das Drängen und Ziehen, das sie weiter zog und auch ein sanftes vorwärts Schieben, dann …

Keuchend holte sie automatisch Atmen, als sich alles falsch anzufühlen schien. Pulsschlag in ihren Adern, das leise Zischen vom Atem, als sie die Luft einzog, so viele Gerüche und Geräusche, die auf ihre Sinne eindrangen, ihr Körper .. war es überhaupt ihrer? Er fühlte sich so fremd an so … anders. Sie war so müde, so matt und doch fühlte sie das der Körper voller Leben war. Sie wollte den Arm heben, sich ihre Hand ansehen und prüfen, ob sie hindurch sehen konnte, aber ihr Arm wollte nicht gehorchen, nichts schien wirklich gehorchen zu wollen, außer den Augenlidern, die sie öffnete und sie sah über sich die dunkelgrünen Blätter der alten Eiche, dem Lebensbaum und erneut spürte sie den Pulsschlag des Baumes in ihrem eigenen irgendwie fremden Körper und es beruhigte sie, milderte die Panik, die in ihr hoch steigen wollte und sie ließ sich fallen, konzentrierte sich nur auf das Atmen. Für einen Moment lang fühlte sie sich betrogen. Betrogen um den wundervollen „Traum“, aus dem man sie gerissen hatte und der langsam schon zu verblassen begann, je öfter sie einatmete, auch wenn sie versuchte ihn fest zu halten.

Dann der Schock, als sie die Stimmen hörte. „Willkommen zurück im Leben.“ „Willkommen zurück, Yasmina.“ „Willkommen im Leben Seler.“ „Uluvathae Seler.“ „Vorsicht, erhebt euch nur langsam erst einmal. Das war alles sehr anstrengend für euren Körper.“ …

Wovon redeten sie da und vor allem auch wer …. sie hatte spüren können wie ihr „neuer“ Körper zusammen zuckte und suchte mit den Augen nach den Quellen der Worte. Erschrocken hatten sie zu den Personen gesehen, die um sie herum standen und noch einmal hatte sich Panik in ihrem Inneren ausgebreitet, die erneut vom Baum gemildert wurde und ihr Denken beruhigte. Zurück im Leben? Was ….? Erst langsam sickerte das Wissen in ihren Kopf zurück, wer die Personen waren, die um sie herum standen und auf sie herab blickten. Glücklich, erleichtert, dankbar, zufrieden, kühl, ohne Regung, aber … sie kannte die Gesichter und die Erinnerungen kehrten zurück. Linnea, Jamie, Leon, William … oh es ging ihm also gut und er war heil zurück gekehrt, Waltraud und Na’riel.

Es gab das etwas, an das sie sich erinnern musste, irgendwas war passiert …nur sie konnte es nicht fest halten, es nicht erfassen. Alles in ihrem Kopf wirbelte durcheinander, zu viel zu viel zu viel … zu viele Eindrücke auf einmal und so verwirrend. Also schob sie das Grübeln beiseite und lauschte erneut auf die Fragen, die man ihr stellte. Ob es ihr gut ginge, wollten sie wissen, ob sie Hunger oder Durst hätte, doch als sie antworten wollte … ihre Stimme wollte ihr nicht gehorchen. Hatte sie überhaupt eine? Also zwang sie ihrem Kopf und ihren Augen die Antworten ab, die wenigstens etwas auf ihre Wünsche nach Bewegung reagierten und versuchte erneut erst einmal Ordnung in das innere Chaos zu bekommen, aber manche Gedankengänge schienen ihr noch versperrt. Warum war sie hier …? Warum redeten sie davon, sie hätten sie wieder ins Leben geholt? Sie war doch nicht tot? Was war überhaupt passiert? Jemand erwähnte die Greifen, da war etwas ….eine Schlacht. Doch sobald sie die Gründe erneut zu erforschen versuchte, schien da eine Barriere zu sein, die etwas von ihr fern hielt oder sie beschützte, sie konnte den Schmerz und die Traurigkeit dahinter aber erahnen und zuckte davor zurück, begnügte sie sich erneut damit Sinneseindrücke zu sammeln, den Stimmen zu lauschen und zu atmen. Ihr wurde Wasser gegeben und auch Brot, hatte beides schon immer so geschmeckt? Irgendwie fühlte sie alles intensiver an, es schmeckte und roch auch anders, es kam ihr alle stärker vor, als wären ihre Sinne betäubt gewesen und würden jetzt erst erwachen und alles wahr nehmen wofür sie vorher blind war.

Sie hatte so viel fragen, so viel wissen wollen, doch gleichzeitig war sie einfach müde. Sie bedauerte, dass die Anwesenden nach und nach gegangen waren, um sie und ihn zurück zu lassen. Für einen Moment lang amüsierte es sie fast, der Gedanke, der dahinter steckte, warum sie gingen, manche Dinge änderten sich wohl niemals. Dann sah sie zu dem Mann der neben ihr saß und es tat ihr leid, dass er wohl Kummer wegen ihr hatte. Sie hatte ihn trösten wollen, weil er so traurig und bedrückt wirkte und sich scheinbar schuldig fühlte, aber noch immer gehorchte ihr Körper ihr nicht und er sagte ihr, dass es wohl auch noch etwas dauern würde, bis wieder alles beim Alten war, also ließ sie sich fallen und gönnte ihrem Körper Ruhe, die er so dringend benötigte. Als sie in den Schlaf sank, träumte sie erneut von Musik und etwas, das sie verloren hatte, ohne zu wissen, was es war …
« Letzte Änderung: 18. April 2010, 11:08:20 von Nataari » Gespeichert

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« Antworten #2 am: 18. April 2011, 09:49:17 »

Ein Jahr war nun vergangen. Ein Jahr, in dem sie wieder hatte zu Leben und ihren Körper kennen lernen müssen. Die ersten Monde waren beschwerlich gewesen, Erinnerungen waren lückenhaft, Gefühle, die ihr ihr Körper signalisierte völlig fremd und Berührungen oder Dinge, die sie selber das erste Mal in die Hand nahm, seltsam. Alles hatte ihr neu erschienen, da ihr erneuerter Körper vieles noch nicht kannte und sich erst daran hatte gewöhnen und es wieder kennen lernen müssen. Lange, sehr lange hatte es gedauert, bis ihre Fähigkeit die Sprache zu verwenden zurück kam und danach war es ein pures Glücksgefühl gewesen, wieder die Stimme erheben und singen zu können. Eine Bardin ohne Stimme? Das war keine Bardin mehr. Auch das Tanzen und die richtige Kontrolle über den Körper hatte sie erst zurück erlagen müssen, doch so sehr es die erste Zeit auch schmerzte, sie fand ihre alte Form zurück und sie genoss es noch immer, ihren Körper zur Musik zu bewegen, auch wenn diese nur in ihrem Inneren erklang. Vielleicht wusste sie jetzt manche Dinge sogar noch mehr zu  schätzen, als sie es vor ihrem Unglück tat. Auch den „einen Schritt“ zu wagen und ihre neu gewonnene Freiheit auf zu geben, hatte sie zu Anfang in ziemliche Zweifel gestürzt, doch sie hatte es getan und bisher noch keinen Grund gehabt, es zu bereuen. Ihn machte es scheinbar ebenfalls sehr glücklich und der Zweifel, warum sie den Schritt gewagt hatte, wurde einfach von ihr in den hintersten Winkel ihres Seins verschoben und nicht beachtet.

Dennoch ein Wehmutstropfen blieb immer und die Träume kamen derzeit recht häufig und schmerzhaft zurück. Die Bilder von Blut und Tod konnte sie nicht aus ihrem Kopf verbannen, so sehr sie es auch wollte, sie kamen zurück. Sie hoffte, dass es vergehen würde, sobald der Jahrestag ihres neuen Geburtstages nun vorbei ging und die Erinnerungen erneut verblassten und von ihrem sonst eher fröhlichen Wesen wieder überdeckt wurden. Dennoch, sie sollten alle daran erinnert werden, was vor einem Jahr geschehen war und so kehrte sie an den Ort oberhalb von Weilersbach zurück, an dem die große Schlacht statt fand und so viele den Tod gefunden hatte.

Lange sah sie auf den Boden, der nun auch von der Natur zurück erobert worden war, nichts zeugte mehr von dem vielen Blut, dass hier vergossen wurde. Dann ging ihr Blick über die Felsen und Berge nach oben, anschließend gen Meer. Von hier oben sah Weilersbach so friedlich aus, so ruhig und unbeschwert. Nichts deutete mehr wirklich daraufhin, was vor einem Jahr und sieben Tagen hier passiert war. Die Häuser waren wieder aufgebaut und die gerodeten Bäume erneuert, die Felder zeigten schon das erste grün der wachsenden Pflanzen und die Hins und Gnome gingen völlig unbeschwert ihren Arbeiten nach. Alle sichtbaren Gräuel waren scheinbar getilgt worden, nur an den Mauern der Stadt regten sich erneut die Ranken, die der starke Magieeinsatz seinerzeit hatte mutieren lassen und die sich noch immer von eingesetzter Magie in ihrer Nähe ernährten und jetzt langsam im Frühling aus ihrer Winterstarre ebenfalls erwachten. Vielleicht eines der wenigen Überbleibsel, die noch Zeuge von der großen Schlacht ablegten, auch das riesige klaffende Loch in der Mauer war recht schnell wieder geschlossen worden. Kaum noch schien die Erinnerung der Bewohner Seldarias zurück zu wandern, zu diesem Tag des Kampfes, doch das sollte sich ändern. Alle sollten sich daran erinnern, was hier vor einem Jahr geschah und erneut froh darüber sein, dass sie mit dem Leben davon kamen und sich darüber freuen, dass die Untiere aus den Landen vertrieben wurden. Doch auch den Gefallenen sollte man gedenken und sie nicht vergessen.

Sie hatte lange überlegt, welches Zeichen sie setzen könnte. Ein Fest? Sicher, das wäre eine Möglichkeit, doch es würde einen Abend dauern und dann die Erinnerung erneut verblassen, es erschien ihr irgendwie nicht genug, vor allem, da sie eh ein Frühlingsfest plante. Sicher, Feste konnte es nie genug geben, doch es sollte etwas besonderes sein. Sie hatte sich sagen lassen, wo sie – und bei diesem Gedanken schauderte es sie noch immer – auf dem Boden aufgetroffen und wo der Greif gefallen waren. Lange, sehr lange hatte sie die Stelle angestarrt und Reisende, die an ihr vorbei kamen, hatten nur den Kopf geschüttelt, da sie wie eine Salzsäule erstarrt sich nicht bewegte und den Blick auf eine Stelle gerichtet hielt. In ihren Gedanken waren alle Bilder wieder aufgelebt und diesmal hatte sie es nicht versucht zurück zu drängen, so sehr es auch schmerzte, aber auch die Erinnerung an die Freude bei den Flügen mit den Greifen kehrte zurück. Das pulsierende Leben unter ihren Händen, der Wind, der an ihrer Kleidung und den Haaren gezerrt hatte. Die pure Lebensfreude, frei in der Luft zu sein.

Sie hörte erneut die Musik, von der sie nicht wusste, woher sie stammte und die nur selten zurück in ihren Kopf drang, schloss die Augen und bewegte sich dazu, ließ ihren Körper völlig frei gewähren und genoss das Gefühl der Bewegung, dann begann sie leise zu singen. Doch die Worte, die über ihre Lippen drangen, waren nicht einfacher Gesang, sondern gemischt mit dem, was die Druiden sie gelehrt hatten. Sie drehte und beugte sich im Tanz und ihre Hände strichen hier und dort über das Gras und den Boden, sie verteilte das Saatgut dabei und das was sie hatte rufen wollen, gehorchte sogar.

Lange … sehr lange hatte es gedauert, bis vollbracht war, was sie hatte tun wollen und sie war einfach im Schatten eines Baumes nieder gesunken und eingeschlafen. Sie hatte sich völlig verausgabt, aber das war ihr egal, denn sie fühlte sich zufrieden und für den Moment glücklich. Sicher, sie war für den Moment wohl eine sehr leichte Beute für jeden, der etwas Böses im Sinn hatte, aber das war ihr in diesem Augenblick auch völlig egal, da sie einfach nur zufrieden war und eine Ruhe in sich spürte, die sie seit einem Jahr vermisste hatte …


Wanderer, die dieser Tage im Frühling dann über den Bergpass hinunter gen Weilersbach sahen, würden ein riesiges Blumenbild sehen können, das die Schlacht vor Weilersbach erneut darstellte. In allen Farben, die die Natur nur vollbringen kann, sah man die Untiere, wie sie vor Weilersbach standen, Weilersbach und die Stadtmauer Fürstenborns und davor die stolzen Recken, die sich bereit machten die Stadt zu verteidigen. Doch auch in leuchtenden Farben wurde der Greifen am Himmel gedacht, die ihre Flügel stolz ausgebreitet hatten und die ganze Szenerie von oben zu beobachten schienen.


Und das Bild würde jedes Jahr im Frühjahr erneut erscheinen und nicht so schnell verschwinden …. so man diesem nicht nach half.
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