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Autor Thema: [Sergej] Auf der Jagd  (Gelesen 475 mal)
Alaska
Spieler

Beiträge: 3.123


Sergej Danilow


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« am: 14. Juni 2012, 17:39:03 »

Erste Beute

Mühsam kämpfte sich der Junge durch Gestrüpp und Unterholz. Er versuchte sich so leise und sicher durch den Wald zu bewegen, wie sein Vater es ihm vormachte, aber immer wieder schlugen ihm Blätter ins Gesicht oder kratzten ihm Äste über die Haut. Sein Vater musste die Geschwindigkeit drosseln, damit der Junge hinterher kam.

Beide trugen sie Pfeil und Bogen mit sich. Der Vater hatte einen großen Kompositlangbogen über die Schulter gehängt, der zum kompletten Durchziehen enorme Kraft benötigte. Sein Sohn hatte es mal versucht und konnte die Sehne nur ein paar Fingerbreit zurückziehen. Für diesen hatte er dafür einen flexiblen Kurzbogen gefertigt, den auch ein Kind spannen konnte. Natürlich wies der weniger Zugkraft auf und man musste näher ans Ziel, aber für die ersten Schussübungen reichte es.

„Wir schauen kurz nach meinen Fallen.“, sprach der Vater mit tiefer, gedämpfter Stimme.  Dann kamen sie auf einen Wildpfad, eine schmale Schneise im Wald, die von regelmäßig durchlaufenden Tieren geschlagen wurde. Der Sohn hätte ihn nicht bemerkt, hätte sein Vater ihn nicht schon bei früheren Ausflügen in den Wald darauf aufmerksam gemacht.

Sie folgten dem Pfad einige Minuten, ehe sein Vater ihn mit einem knappen Handzeichen zum Halt brachte und sich bedächtig hinhockte. Der Sohn tat es ihm gleich und kroch in der Hocke vorsichtig zwei Schritte vor, um zu sehen weswegen sie anhielten.  

Tatsächlich war ein Reh in die Falle gegangen. Eines seiner Vorderläufe steckte in einem kleinen Erdloch und wurde dort von einer Schlingenkonstruktion festgehalten. Es stand wackelig auf den freien Beinen von den beiden abgewandt. Offenbar hatte es sich bei dem Versuch das Bein zu befreien bereits müde gekämpft.

„Sohn, dass überlass ich dir.“

Der Junge blickte mit großen Augen zu seinem Vater auf, er musste sich verhört haben.

„Ich soll…“  

Der Vater nickte still. Einen Moment noch zögerte der Junge, dann nahm er seinen Kurzbogen entschlossen in die Hand und zog einen Pfeil aus dem Köcher. Er spähte zum Tier hinüber und suchte dessen Umgebung nach einem geeigneten Pfad ab, der ihn an dessen Flanke führen würde. Leise schlug er sich abseits des Wildpfads durch das Unterholz. Da er jetzt seinem eigenen Tempo folgte, gelang ihm das voranpirschen besser. Er versuchte dabei alles zu bedenken, was sein Vater ihm bisher gelehrt hatte.

Sein Versuch war aber nicht ganz vollkommen. Das Tier schien zu bemerken, dass sich etwas näherte, es wurde unruhiger, fing an in der Luft zu schnuppern. Als der Junge sich an die Seite des Rehes geschlichen hatte, legt er den Pfeil auf,  führte die Sehne in die Nocke am Ende des Pfeilschafts ein und zog den rechten Arm zurück, bis er mit den Fingerspitzen seine Wange als Ankerpunkt berühren konnte. Alles so wie er es in den Übungen gelernt hatte, aber das hier würde sein erster Schuss auf ein lebendes Ziel sein.  

Er ließ die Sehne frei. Ein leichter, schon gewohnter Schlag ging durch seine linke Hand, als die Bogenarme nach vorne federten. Die Sehne surrte und der Pfeil schoss davon.

Das Tier bewegte sich im falschen Moment und statt des Kopfes traf er den Hals. Erfolglos warf das Reh sich hin und her. Es stieß Schmerz- und Angstlaute aus. Die fiependen Schreie erinnerten den Jungen ungewollt an jene Sommernachmittage, an denen er Grashalme zwischen die Lippen gesteckt hatte und darüber hinweg pfiff.

Er versuchte es mit einem zweiten Pfeil endgültig zu erlegen, aber jetzt war ein sauberer Schuss für ihn noch weitaus schwieriger als zuvor. Der zweite Treffer schien bloß Schmerz und Panik des Tieres zu vergrößern und es kämpfte nochmal so verbissen gegen seine Fessel. Die freien Hufe rutschten unter dem Körper weg und mit einem Knacken, das sich wie ein Donnerschlag in die Ohren des Jungen bohrte, stürzte das Tier auf die Seite und brach sich dabei das Bein. Er sah das in überdeutlicher Klarheit das Blut aus den Pfeilwunden ins Fell sickern, und er sah den zersplitterten Knochen aus dem im unnatürlichen Winkel abgeknickten Bein ragen. Die wilden, gequälten Augen des Tieres, die derart verdreht waren, dass fast nur noch weiß zu sehen war, hielten den Blick des Jungen gebannt. Der Junge spürte, wie heiße Tränen seinen Blick vernebelten und die Wangen herunterliefen.

Bevor er sich von dem Anblick losreißen und nach einem dritten Pfeil greifen konnte, durchbohrte ein Pfeil seines Vaters den Schädel des Tieres zielsicher mitten durchs Auge hindurch und erlöste es.

Mit dem Hemdsärmel versuchte der Junge die Tränen wegzuwischen, bevor sein Vater sie sehen konnte, aber sie wollten einfach nicht aufhören. Er starrte stur auf den Boden vor sich, als er die Präsenz von ihm neben sich aufragen spürte. Eine große, warme Hand legte sich auf seine Schulter und die tiefe Stimme seines Vaters ertönte:
„So etwas passiert bei der Jagd.“

„Dann will ich nicht jagen, nie mehr!“, gab der Junge trotzig zurück.

Sein Vater gab zur Antwort nur ein unergründliches Brummen von sich.

***

Das Ziehen und Auflegen des Pfeils und das folgende Durchziehen der Sehne sind für ihn inzwischen zu einer fließenden Bewegung geworden. Er lässt sich Zeit, er ist ruhig - so ruhig wie seine Beute sein soll. Er lauert auf den perfekten Augenblick, hält für diesen einen Moment den Atem an und schießt.

Das Reh geht zu Boden, bevor es weiß was geschieht.  

„Kleiner.“ Er gibt dem jungen Hund an seiner Seite zur Übung das Handzeichen zum Suchen der Beute und folgt dem Energiebündel dann.
führte die Sehne in die Nocke am Ende des Pfeilschafts ein und zog den rechten Arm zurück, bis er mit den Fingerspitzen seine Wange als Ankerpunkt berühren konnte. Alles so wie er es in den Übungen gelernt hatte, aber das hier würde sein erster Schuss auf ein lebendes Ziel sein.
« Letzte Änderung: 14. Juni 2012, 17:40:54 von Alaska » Gespeichert

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