Das Weltentor
15. August 2018, 14:23:16 *
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.
Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
News: Herzlich Willkommen bei Weltentor!
Homepage: http://www.dasweltentor.de/ - WT-Wiki: http://wiki.dasweltentor.de/
 
   Übersicht   Hilfe Suche Kalender Mitglieder Einloggen Registrieren  
Seiten: [1]   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: Das Ende  (Gelesen 634 mal)
Eyla
Spielleitung
Spieler

Beiträge: 52.802



Profil anzeigen WWW
« am: 07. August 2012, 21:13:42 »

Ein Augenzeugenbericht von Jadiira Fyvrek'Zek

Der August ist in Seldaria der eigentliche Sommermonat. Es war sehr schwül in Hammerhütte, noch heißer in Fürstenborn und drückend in Weilersbach. Es wimmelte in Dunkelbrunn von Pixies verschiedenster Art. Ihr Gequake und das ununterbrochene Surren der Dunkelbälger erfüllte die Luft schon seit Wochen, aber im August, dem Höhepunkt der sommerlichen Hitze, war es besonders penetrant.

Gerüchte über die unmittelbar bevorstehende Bombardierung Dunkelbrunns hatten in den letzten Wochen zugenommen. Auch war hin und wieder von einer Spezialbombe der Tempelgarde die Rede, die Dunkelbrunn zerstören sollte. Doch wir beachteten dieses Gerücht so wenig wie die anderen. Wir waren überzeugt, dass die Drow es überstehen würden. Schließlich sind wir die Drow! Jeder von uns hatte dennoch eine Packung Trockene Pilze und einen Trinkschlauch Blutwein als Proviant erhalten, um notfalls bei einer Flucht in die Berge überleben zu können.

Am Morgen des 6. August hatte es um sieben Uhr Alarm gegeben, doch gegen acht Uhr wurde der Alarm wieder abgeblasen. Ich überlegte, Auf einer Echse in die Stadt zu reiten, um ein paar Dunkelbrunner zu piesacken, aber irgendwie war ich unschlüssig. So versuchte ich, mich auf die noch ungewohnte Sitzhaltung auf dem Thron zu konzentrieren, als ich plötzlich den Lärm vor unserem Haus hörte. Barfuss, die Beile in der Hand, lief ich zum Fenster, aus dem ich nach Süden zur Stadt hinunter blicken konnte. Bei klarem Höhlenblick ließen sich recht deutlich die Umrisse des Haus des Genusses erkennen. Diesig war es an diesem 6. August, wie so oft, so dass man keinerlei Konturen der Gebäude unterscheiden konnte. Ich konnte nichts entdecken.

In diesem Moment, es war inzwischen 8.15 Uhr, blitzte ein riesiges Licht über dem Zentrum auf, doch im gleichen Augenblick hatte ich das Gefühl, das Licht, hundertmal stärker als die Sonne, sei über und um mich. Ein greller Lichtschein, gelblichweiß und gleißend, erfüllte alles. Geblendet wich ich zurück. Plötzlich fühlte ich eine starke Hitze und warf mich entsetzt auf den Boden unmittelbar vor dem Fenster, wie wir es oft in Gedanken trainiert hatten. Ich lag vielleicht zwei oder drei Sekunden da, als es fürchterlich knallte. Mein Zimmer und das ganze Haus wurden erschüttert. Ich war über und über mit Glassplittern, Holzstücken und aus den Wänden gerissenen Lehmbrocken bedeckt. Ich kroch unter die Streckbank und betete zu Selvetarm. Das ist das Ende, dachte ich und wartete auf den Gegner um ihn blutig zu erschlagen. Doch nichts geschah.

Durch tausende von Glassplittern, durch zerborstene Möbel und zerfetzte Bücher gelangte ich zu der Tür, die, aus den Angeln gerissen, draußen auf dem Korridor lag. Wütend trat ich hinaus, überzeugt davon, dass den anderen im Haus etwas Entsetzliches widerfahren sei. Bei mir selbst bemerkte ich kaum Verletzungen. Andere kamen aus ihren völlig verwüsteten Zimmern auf den Gang. Einer blutete heftig im Gesicht und an den Armen, er hatte, wie er uns später erzählte, direkt am Fenster gestanden, um der Bombe „ins Gesicht zu sehen“ – er war Magier.

Die Decken im Korridor bogen sich und drohten jeden Moment herabzustürzen. Doch wir waren vor allem damit beschäftigt, uns um „den anderen“ zu kümmern. Wir gingen hinaus und sahen, dass die ganze südliche Hausfront zerstört war. Alle Fenster waren heraus gebrochen, tausende von Möbelsplittern nach draußen geflogen. Überall auf dem Rasen lagen zerbrochene Dachziegel, drei Pfeiler des Tempels waren zerstört. Doch die Grundstruktur des Gebäudes war erhalten geblieben. „Wo ist der Bombeneinschlag?“ fragten wir immer wieder, aber nirgends war ein Bombenkrater zu entdecken. Wir suchten überall – kein Anhaltspunkt.

In diesem Moment entdeckten wir, dass viele der kleinen Bauten zur Stadt hin brannten. Sie waren einige hundert Meter von unserem Haus entfernt. Auch brannten Häuser, die noch näher beim Stadtzentrum lagen, und selbst die die Stadt umgebenden Höhlenwände schienen Feuer gefangen zu haben. Wie ein großer Ring lag das Feuer um der Stadt mit dem Stadtzentrum als Mittelpunkt. Um das Zentrum selbst, wo sich jetzt eine riesige Wolke bildete … das war nicht mehr zu sehen.

Von der Arena zogen ungeheure Rauchwolken herüber. Überall liefen Leute umher und versuchten, das Feuer zu löschen. Auch die Duergar waren aus den Stollen gekommen und halfen beim Löschen.

Gegen zehn Uhr wurde der Himmel nicht nur über der Stadt, sondern auch über uns merkwürdig dunkel. Bald fielen schwere Regentropfen, die voll von Schmutz – offenbar Rauch und Asche – waren. Von der ganz ungewöhnlichen Finsternis zur Mittagszeit eines Hochsommertages beunruhigt, machten wir uns auf den Heimweg.

Einige von uns waren schon zur Hauptstraße geeilt, die etwa zehn Minuten vom Hause entfernt nach Norden führte, um dort sich dem Feind zu stellen. So machte ich mich allein auf den Weg zur Energiebrücke um diese Schweine zu erschlagen. Es war meine erste Begegnung mit den Schrecken der Verwundeten. Auf dem Boden lagen sie dicht nebeneinander, Körper an Körper. Aber der Zustrom ließ nicht nach, sondern wuchs stetig an. Es kamen immer neue, meistens in geschlossenen Reihen von sieben bis acht Personen, vorwiegend Frauen, die am Kopf und im Gesicht so verbrannt waren, dass die Brandblasen sie völlig unkenntlich machten. Die oberste Haut war verletzt und abgerissen, der Kopf ballonrund aufgedunsen. Aus dem geschwollenen Mund hing oft die aufgeblähte Zunge heraus. In den grässlichsten Farben, rot, violett oder graubraun von Schmutz und Staub, erschienen sie vor uns. Viele von ihnen konnten wegen der geschwollenen Fleischteile im Gesicht nicht mehr sehen, sie hielten deshalb in Gruppen Tuchfühlung zueinander, indem sie gegenseitig die Hände auf die Schultern legten oder die Arme einhakten. In ihrem großen Leid halfen sich die Verletzten gegenseitig, niemand – es waren meist, wie gesagt, Frauen – wurde allein gelassen. Von zwei anderen unter die Arme genommen, gingen die Erblindeten klagend, der Orientierung wegen stets sprechend, oft genug nur im Schmerz vor sich hin summend, aber immer mit Geduld langsam schlürfend aus der Stadt. Angekommen auf den vereinzelt am Wegesrand liegenden Schutthaufen, brachen ganze Gruppen zusammen.

Als ich zu der Hauptstraße, die durch eine nicht abreißende Kette von Gebäuden nach Norden führt, zurückkehrte, traf ich unterwegs überall Verletzte. Manche waren so schwer getroffen, dass sie nach ein paar Schritten tot umfielen. Aus den Häusern drang das Stöhnen und Schreien der Verwundeten. Einzeln und in Gruppen fielen sie einfach in den Staub des Hofes.  Überall flehten Menschen um Wasser, bis sie aufhörten zu atmen.

Und wieder dröhnte es und es schien als wenn tausende von Bomben in die Gewölbe einschlugen … und dann wurde es ganz still in Dunkelbrunn … oder wurde nur ich ganz still?

Gespeichert

Clara Dämmerlicht - Lichtrichter, Schneider
Edelmuth Dotterblume - Bestaussehendster und begabtester Barde ganz Seldarias
Hadush - Der Brüller
Kendra Lena Tonja Glitzer-Funkelstein-Schwuebbelitz - Erfinderin
Remi Rutenschwinger - Heckenschneider, Liga der Außergewöhnlichen Brunftkreisler
Sarah Goldmond - Schwarze Münze, Stadtverwaltung
Ther'lanna Coral'sha - Jung und naiv
Waltraud "Trudi" Steinbrecher - Baronin von Hammerhütte, Tempelgarde

Erforsche, kämpfe, lebe
Spiele eine Rolle in einer Fantasy-Welt und schreibe Geschichte.
http://www.dasweltentor.de/
Seiten: [1]   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.18 | SMF © 2006-2009, Simple Machines Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS